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Fungizide und Algizide (=Pestizide)
zum Schutz gegen Algen und Mikroorganismen
Fungizide & Alizide = Pestizide = Biozide
Deutliche Mängel bei der Kennzeichnung giftiger Biozid-Produkte

weiterführend: Gutachten zu Schimmel | Lösungen gegen Schimmel
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Fungizide und Algizide (=Pestizide)
zum Schutz gegen Algen und Mikroorganismen

Hier bekommen Sie u.a. Informationen zur herkömmlichen Lösung, wie sie von Industrie und Lobby propagiert wird, sozusagen als Kontrastprogramm zu der a.a.O. beschriebenen giftfreien Variante.

Zitat 1: Mangelfreie Fassade - Algen und Pilze

"Der Handwerksunternehmer schuldet dem Hausbesitzer eine mangelfreie Fassade. Eine nach einiger Zeit mit Algen und Pilzen befallene Fassade erfüllt diese Voraussetzungen nicht. Algen und Pilze beeinträchtigen den geschuldeten Erfolg sowohl unter gestalterischen als auch unter bauphysikalischen Voraussetzungen – sie reduzieren den Objektwert und erhöhen das Risiko der Putzschädigung. Damit leidet unter Dauerhaftigkeitsgesichtspunkten die Funktionstauglichkeit des Putzes, so dass Algenbefall nicht nur eine Sache der Optik, sondern der gesamten Verwendungseignung ist. (vgl. auch Prof. Motzke „Algen- und Pilzbefall. Ein rechtliches Zuordnungsproblem)."

Zitat 2: Bedenkenanmeldung schützt vor Haftung

"Der verantwortungsbewusste Handwerksunternehmer muss die Einflussfaktoren für den Befall von Fassadenbeschichtungen kennen und bei Vorhandensein bestimmter regionaler und klimatischer Bedingungen Bedenken anmelden –– auch hier beispielsweise durch einen Musterbrief – dann trifft ihn keine Einstandspflicht im Falle eines späteren Algenbefalls."

Zitat 3: Musterbrief zur Rechtfertigung giftbelasteter Fassaden:

"Sehr geehrter Herr Mustermann,
Gemäß unseren fachlichen Erkenntnissen liegt Ihr Haus in der Algengefährdungszone I. Wir als qualifiziertes Handwerksunternehmen müssen Sie auf diesen Umstand hinweisen. Was bedeutet Algengefährdungszone I? Die  Niederschlagsmenge beträgt durchschnittlich mehr als 800 ml/qm Jahr. Die mittlere Jahresdurchschnitts- temperatur ist höher als 8°C. Ihr Wohnhaus steht in einem dünn besiedelten Gebiet.

Alle drei Faktoren begünstigen das Wachstum von Algen und aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, den abschließenden Dekorputz algizid und fungizid einzustellen. Der geringe Aufpreis für diese Zusatzausrüstung gegen Algen von ... €/qm lohnt sich für Sie, denn er bietet Ihnen einen vorbeugenden Schutz vor Algenwachstum. Unser Lieferant bringt nur zugelassene und geprüfte Algizide und Fungizide zum Einsatz, so dass Sie sich in Bezug auf Gesundheits- und Umweltschutz frei von Bedenken fühlen können.

Wir freuen uns darauf, für Sie zu arbeiten. Geben Sie uns Ihr o.k., dann können auch wir mit den Vorbereitungen beginnen.
Ihr Mustermaler

Quelle: Zitat 1, Zitat 2 und Musterbrief
aus: "Konsequenzen der neuen europäischen Rechtssprechung für Produkthaftung und einseitige Leistungsversprechen", 2. Impulskongress Innovative Dämmstoffe im Bauwesen, Augsburg, September 2005

Zitat 4: ... raten wir von ... Fungiziden ... ab

"Ebenfalls raten wir von der Verwendung chemischer Pilzbekämpfungsmittel (Lösungen mit Fungiziden) im Innenraum ab, da nicht auszuschließen ist, dass diese Stoffe über eine lange Zeit in den Innenräumen verbleiben und die Gesundheit der Bewohner gefährden."

Quelle:
Umweltbundesamtes, HILFE! SCHIMMEL IM HAUS Ursachen - Wirkungen - Abhilfe
eine Broschüre, 2004, auf der Grundlage der von der Innenraumlufthygienekommission des Umweltbundesamtes erstellten Publikation „Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenräumen“ („Schimmelpilz-Leitfaden“)

Nun kann man meinen, dass außen nicht innen ist - aber Gift bleibt Gift. Zudem wird das Zeug ausgewaschen und es gelangt somit auf den Rasen, die Beete, in den Erdboden. Somit ist die fungizide Wirkung temporär, es entstehen also ständig Folgekosten - zudem muss man sich als Eltern überlegen, wie man die Kinder von den kontaminierten Bereichen fern hält.

Man kann es auch so sagen: Gift wird, sobald es "zugelassen und geprüft" wird, gesundheitlich und umweltbezogen unbedenklich, so dass man sich trotz der Giftapotheke an der Hauswand vormachen kann, dass schon alles in Ordnung wäre.

Zitat 5: Pestizide

"Einteilung der Pestizide:
- Akarizide gegen Milben
- Algizide gegen Algen
- Bakterizide gegen Bakterien
- Fungizide gegen Pilze, bzw. Pilzkrankheiten
- ...

Pestizide (auch Biozide: Biozide sind in der Schädlingsbekämpfung eingesetzte Chemikalien und Mikroorganismen), Schädlingsbekämpfungsmittel sind Substanzen, die Schädlinge töten sollen. Oftmals werden sie als „Pflanzenschutzmittel“ eingesetzt. Als Schädlinge können z.B. angesehen werden: Insekten, Gräser, Vögel, Nagetiere, Fische, Pilze. Da sie überwiegend nicht zielartspezifisch wirken, wird die Artenvielfalt auf Wirtschaftsflächen gemindert. Für den Anwender stellt der Einsatz ein Risiko dar. Akute Wirkungen auf Organismen sind gut untersucht, große Wissensdefizite existieren bei den chronischen Wirkungen. So wird über die Rolle von Pestiziden beim Anstieg der Allergierate, bei Krebs und bei anderen Störungen des Immunsystems diskutiert.
Die deutsche Bundesregierung will den in Deutschland seit jeher restriktiven Pestizideinsatz über die Agrarreform weiter reduzieren. Diesem Anspruch widerspricht jedoch, dass laut Greenpeace "seit Einrichtung des Verbraucherministeriums im Jahr 2001 [...] bei insgesamt 126 Pestizid-Wirkstoffen die für pflanzliche Lebensmittel geltenden Grenzwerte" angehoben wurden [1]. Entsprechende Tests zeigen auch, dass "immer höhere Konzentrationen an Pestiziden, die häufig sogar die erlaubten Grenzwerte überschreiten" vorrangig in konventionell angebauter Ware gefunden werden [2]. Produkte aus dem Biolandbau weisen hier eine deutlich geringere Belastung auf, wie auch eine aktuelle Untersuchung der Lebensmittelüberwachung des Landes Baden-Württemberg zeigt, welche konstatiert: "Die Rückstandsgehalte in Lebensmitteln aus ökologischem Landbau unterscheiden sich von konventionell erzeugten Lebensmitteln signifikant. Während in konventionellen Lebensmitteln häufig Rückstände nachgewiesen werden (im Jahr 2002 75 %), waren Öko-Lebensmittel zu 93 % [...] ohne Befund." [3] ...."

Zitat 6: Fungizide

"Ein Fungizid ist ein chemischer oder biologischer Wirkstoff, der Pilze oder ihre Sporen abtötet oder ihr Wachstum hemmt.

Anwendungsbereiche
Fungizide werden vor allem in der Landwirtschaft als Pflanzenschutzmittel angewendet. Daneben dienen sie auch zur Bekämpfung von Schadpilzen auf Holz, Farbe, Textilien, an Wänden (Hausschwamm) und bei Lebensmitteln. Für Fungizide, die in der Medizin (z.B. gegen Hautpilze) eingesetzt werden, ist der Begriff Antimykotika gebräuchlicher.

Wirkungungsweise
Fungizide können protektiv, kurativ oder eradikativ wirken. Protektive Fungizide verhindern eine Sporenkeimung oder das Eindringen des Pilzes in das Pflanzengewebe. Das kann durch direkte Einwirkung auf die Spore (sporozide Wirkung) oder durch Änderung der physiologischen Bedingungen auf dem Blatt geschehen. Bei Anwendung protektiver Fungizide sind oft mehrere Spritzungen nötig, um während des Gefährdungszeitraums eine Infektion zu verhindern. Dies führt zu insgesamt hohen Aufwandmengen und hohen Arbeitskosten.
Seit Mitte der 1980er Jahre sind auch kurative und eradikative Fungizide erhältlich. Kurative Fungizide können eine Infektion im Anfangsstadium stoppen. Eradikative Fungizide können Pilzbefall sogar dann noch erfolgreich bekämpfen, wenn bereits Befallssymptome sichtbar sind. Bisher gibt es eradikative Wirkstoffe nur für die Bekämpfung von ektoparasitischen Pilzen wie z.B. dem Mehltau.

Wirkstoffe
Bei Fungiziden kann es sich um anorganische, metallorganische oder organische Chemikalien oder um Organismen handeln.
Anorganische Fungizide sind zum Beispiel die seit 1882 bekannte Bordeaux-Brühe (Cu(OH)2*CaSO4) oder das noch heute zugelassene Basische Kupferchlorid (3Cu(OH)2)*CuCl2*nH2O). Von diesen Fungiziden werden Kupfer2+-Ionen freigesetzt, die in den Pilzsporen als Enzymgifte wirken und damit eine Keimung verhindern können. Kolloidaler, reiner Schwefel (Netzschwefel) ist ebenfalls ein anorganisches Fungizid. Er oxidiert auf der Pflanzenoberfläche, wodurch der pH-Wert absinkt und die Sporenkeimung gehemmt wird. Anorganische Fungizide machen immer noch etwa die Hälfte der verkauften Fungizide aus.
Von den metallorganischen Verbindungen scheinen heute nur noch kupferhaltige Fungizidwirkstoffe zugelassen zu sein, die sehr giftigen und umweltschädlichen Quecksilber- und Zinnorganika sind verboten.
Die Gruppe der organischen Fungizidwirkstoffe ist sehr heterogen zusammengesetzt und schwer überschaubar. Bei den mengenmäßig wichtigen Getreide-Fungiziden werden heute vor allem Wirkstoffe aus den Klassen der Azole, Morpholine und Strobilurine eingesetzt.
Bisher ist ein biologischer Wirkstoff, der Sporen des parasitischen Pilzes Coniothyrium minitans enthält, zur Bekämpfung von Sclerotinia-Pilzen (z.B. Weißstängeligkeit beim Raps) zugelassen."

Zitat 7: Algizide

Algizide sind Pestizide zur Bekämpfung von Algen. Praktische Bedeutung haben sie vor allem in der Bekämpfung von Algen in Schwimmbädern.

Quelle: Zitate 5 bis 7
Wikipedia.de

Anmerkung: Wikipedia.de ist leider mittlerweile von selbsternannten "Bauphysikern" heimgesucht. So ist zu erklären, dass unter dem Stichwort "Wärmedämmung" aktuell nichts über Algen und Pilze an WDVS- Fassaden zu finden ist. Dafür finden Sie hier etwas darüber. Machen Sie sich Ihren eigenen Reim auf alles, es steht Ihnen natürlich frei, sich "zugelassene und geprüfte" Pestizide an der Fassade aufbringen zu lassen.

DIMaGB, 17.10.2005

Querverweise:
:: giftfreie Farbe gegen Schimmel und Algen
bei richtigbauen.de
:: Gebäudefassaden als Quelle für Gewässerverschmutzung (08.2008)
   mit Querverweisen

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Fungizide & Alizide = Pestizide = Biozide
Biozide

Definition und Vorkommen von Biozid-Produkten

Biozide sind im wörtlichen Sinn („bios“ = griechisch „Leben“, „caedare“ = lateinisch „töten“) Substanzen, die unerwünschte Organismen vernichten. Die Legaldefinition des § 3b Chemikaliengesetz schließt überdies jene Stoffe ein, die Lebewesen lediglich abschrecken, verscheuchen oder deren Lebensfunktion beeinträchtigen.

Auf dem deutschen Markt gibt es rund 8000 Biozid-Produkte, die Klein- und Kleinstlebewesen beseitigen, abschrecken oder dezimieren, die für den Menschen in bestimmten Situationen unerwünscht sind. Dazu zählen vor allem Mittel gegen Bakterien und Pilze, aber auch solche gegen Spinnen, Mäuse, Ratten, Fliegen oder Mücken. Typische Biozid-Produkte sind Holzschutzmittel, Insektensprays für den Haushalt, schimmelwidrige Wandfarben für Bad oder Küche, antibakterielle Haushaltsreiniger, Desinfektionssprays und Lockfallen gegen Kleidermotten. Weiterhin gelangen Biozid-Produkte in gebrauchsfertigen Artikeln an den Verbraucher. So sind Textilien mit dem Gütezeichen „Wollsiegel“ immer mit einem Mottenschutzmittel ausgerüstet. Auch Müllbeutel oder Kühlschränke können mit antibakteriellen Stoffen versehen sein.

Jene Stoffe im Biozid-Produkt, die für die biozide Wirkung verantwortlich sind, werden als biozide Wirkstoffe bezeichnet. Derzeit dürfen auf dem europäischen Markt ca. 900 biozide Wirkstoffe in Biozid-Produkten eingesetzt werden, die in den Anhängen der Verordnung (EG) Nr. 2032/2003 aufgelistet sind.

Auf Grund der vielfältigen Einsatzgebiete von Biozid-Produkten kann davon ausgegangen werden, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens mit Bioziden in Berührung kommt.

Rechtliche Regelungen zu Biozid-Produkten

Mit der Biozid-Produkte-Richtlinie 98/8/EG wurde erstmals für alle Mitgliedstaaten der EU eine Zulassungspflicht für Biozid-Produkte festgeschrieben. Die Produkte müssen hinsichtlich ihrer Wirkung auf Mensch und Umwelt und ihrer Wirksamkeit geprüft und beurteilt werden, bevor sie in Verkehr gebracht werden dürfen. Mit dem Biozid-Gesetz wurde die EU-Richtlinie 2002 in nationales Recht umgesetzt. Dadurch wurden grundlegende Vorschriften der Richtlinie in das Chemikaliengesetz übernommen und das Arzneimittelgesetz, das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz sowie das Pflanzenschutzgesetz angepasst.

Um die bereits auf dem Markt befindlichen bioziden Wirkstoffe zu erfassen, brachte die Europäische Kommission im Jahr 2000 die Verordnung (EG) Nr. 1896/2000 auf den Weg, nach der sämtliche Wirkstoffe zentral zu registrieren sind. Alle erfassten Substanzen werden als alte biozide Wirkstoffe definiert und in einer darauf folgenden Verordnung (EG) Nr. 2032/2003 veröffentlicht. Die Verordnung wird in diesem Jahr mit Inkrafttreten einer Änderungsverordnung um einzelne biozide Wirkstoffe ergänzt werden.

Biozide Wirkstoffe, die nicht in der Verordnung (EG) Nr. 2032/2003 aufgelistet sind, dürfen nicht mehr in einem Biozid-Produkt vermarktet werden. Deshalb muss im Einzelfall geprüft werden, ob in einem Produkt ein nicht gemeldeter Wirkstoff enthalten ist. Diese Vorgehensweise zur Überwachung des Marktes wird von den Vollzugsbehörden der Länder als sehr aufwändig eingestuft. Um die Überwachung zu erleichtern, wurde in Deutschland auf Initiative der Bundesregierung eine Biozid-Meldeverordung erarbeitet, die in wenigen Wochen in Kraft treten wird. Diese sieht vor, in Deutschland ein Biozid-Produkte-Verzeichnis zu erstellen. Binnen zwei Monaten nach Inkrafttreten der Verordnung müssen alle Firmen, die ein Biozid-Produkt in Verkehr bringen, dieses bei der zuständigen Behörde melden. Für neue Biozid-Produkte, die nach dem Inkrafttreten der Verordnung erstmalig in den Handel gelangen sollen, muss die kostenfreie Meldung vor dem Inverkehrbringen vorgenommen werden. Ordnungsgemäß gemeldete Produkte erhalten eine Registriernummer, die künftig auf der Verpackung aufgebracht werden muss.

Risiken und Nutzen von Biozid-Produkten

Mitte der 80er Jahre stand mit dem Holzschutzmittel-Skandal ein Biozid-Produkt im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion. Das Mittel enthielt das pilztötende Pentachlorphenol (PCP) und das Insektengift Lindan. Beide Substanzen wurden in Zusammenhang mit Erkrankungen tausender Menschen gebracht, die das Produkt verwendet hatten. PCP gilt im Tierversuch als krebserzeugend, ebenso wie Verunreinigungen des eingesetzten Lindans. Lindan schädigt in höheren Gehalten die Nerven und das Knochenmark. Beide Stoffe können beim Einatmen Kopfschmerzen, Mattigkeit, Übelkeit und Schwindel hervorrufen. Die Holzschutzmittel waren damals zwar behördlich auf ihre Wirksamkeit geprüft, nicht jedoch auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit. PCP und Lindan wurden in der Folge für die Anwendung in Holzschutzmitteln verboten.

Die Zulassungspflicht für Biozid-Produkte trägt der Tatsache Rechnung, dass von Biozid-Produkten ähnlich wie von Pflanzenschutzmitteln Risiken für Mensch und Umwelt ausgehen können. Dies manifestiert sich auch in den Vorschriften zur Werbung für Biozid-Produkte. Danach muss stets der Satz erscheinen: „Biozide sicher verwenden. Vor Gebrauch stets Kennzeichnung und Produktinformation lesen.“ Auch sind Angaben wie „umweltfreundlich“, „ungiftig“ oder „verbraucherfreundlich“ verboten, weil sie vom Gesetzgeber als irreführend angesehen werden. Die Wirkungen von Biozid-Produkten auf Mensch und Umwelt werden im Zulassungsverfahren
geprüft, bewertet und je nach Ergebnis wird eine Zulassung erteilt oder verweigert.

Behörden wie Firmen gehen davon aus, dass bis zum Ablauf des Prüfprogramms für alte biozide Wirkstoffe im Jahr 2010 sich EU-weit die Zahl der im Handel befindlichen Biozid-Produkte weiter deutlich verringern wird. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit erwartet, dass die Industrie besonders gefährliche Wirkstoffe mit Blick auf die strengen Anforderungen des Zulassungsverfahrens von vornherein nicht mehr langfristig vermarkten will. Mit den ersten Produktzulassungen wird frühestens ab 2006 gerechnet.

Ein vollständiger Verzicht auf Biozide würde nach dem derzeitigen Stand der Technik die Lebensdauer vieler Güter verkürzen. Holzgeräte auf Kinderspielplätzen würden rascher als heute üblich von Organismen zersetzt und könnten ohne erkennbare Symptome einstürzen. Textilien, Leder, Kunststoffe und Anstriche sind teils mit Bioziden versehen. Produktionsprozesse wie die Papierherstellung, aber auch die Lebensmittel verarbeitende Industrie sowie die Gastronomie sind auf Biozide angewiesen, um Waren vor dem Befall mit Mikroben zu schützen. Einer der größten Anwendungsbereiche für Biozid-Produkte ist die Schifffahrtsindustrie, die Schiffe mit biozidhaltigen Anstrichen überzieht. Dadurch wird der Bewuchs mit Algen, Muscheln und anderen Meeresorganismen verhindert. Der Bewuchs bremst die Fahrt der Frachter bzw. erhöht den Treibstoffverbrauch.

Der Verband der Chemischen Industrie geht davon aus, dass durch die Zulassungspflicht Nischenprodukte vom Markt verschwinden und wenige Wirkstoffe mit großen Produktionsvolumina bestehen bleiben werden. Als Grund führt der Verband die gesamten Zulassungskosten von 500.000 bis 5 Millionen Euro je Produkt gegenüber den vergleichsweise kleinen Marktvolumina an. Der weltweite Markt für Biozide wird auf ungefähr vier Milliarden Dollar pro Jahr beziffert und wächst mit einer Rate von bis zu vier Prozent jährlich.

Quellen:
− Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2003). Leitfaden für Zulassungen von Biozid-Produkten,
   Im Internet: http://www.baua.de/amst/leitfaden-biozide.pdf, Dortmund, [Stand: 27.11.2003].
− Derek Knight, Mel Cooke (2002). The Biocides Business. Regulations, Safety and Application.
   Wiley-VCH, Weinheim.
− Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2005). Biozid-Produkte werden sicherer.
   Kabinett beschließt Meldepflicht für Biozid-Produkte, In: Umwelt, 4/2005, S. 255 - 256.

Quellennachweis:
WISSENSCHAFTLICHE DIENSTE DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES
Nr. 29/05 DER AKTUELLE BEGRIFF 17.05.2005
Verfasserin: VAe Dipl.-Chem. Susanne Donner, Fachbereich VIII,
Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Bildung und Forschung
"Der aktuelle Begriff" ist eine Kurzinformation der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages. Nachbestellungen unter Tel. (030) 227- 38670. Im Internet abrufbar unter: http://www.bundestag.de/ bic/analysen/index.html

Querverweise:
:: giftfreie Farbe gegen Schimmel und Algen

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Deutliche Mängel bei der Kennzeichnung giftiger Biozid-Produkte

Ein großer Teil der im Handel erhältlichen Produkte auf Basis von Bioziden ist nicht korrekt gekennzeichnet. Das ist das Ergebnis einer Schwerpunktuntersuchung des Verbraucherschutzministeriums. Bei Biozidprodukten handelt es sich um Mittel, mit denen bestimmte Organismen chemisch oder biologisch abgetötet werden. Dazu gehören etwa Antischimmelsprays, Desinfektionsmittel, Insektensprays, Holzschutzmittel oder Produkte aus der Heimtierpflege, beispielsweise gegen Flöhe. Aber auch antimikrobielle Müllbeutel und Spülmittel oder Wandfarben mit fungiziden Zusätzen fallen darunter.

Überprüft wurde sowohl die Einhaltung der allgemeinen Vorschriften für Chemikalien als auch spezieller Regelungen für Biozide, die seit Mitte 2004 gelten. Trotzdem war bei vielen untersuchten Produkten die Kennzeichnung als gesundheits- oder umweltschädlich unzureichend oder sogar falsch. So hätten zum Beispiel zwei der im Handel gefundenen Mittel als „sehr giftig“ eingestuft werden müssen. Gekennzeichnet waren sie aber nur mit dem Gefahrensymbol für gesundheitsschädlich. Damit waren sie frei verkäuflich, während sehr giftige Biozide nur nach ausführlicher persönlicher Beratung an Käufer abgegeben werden dürfen, um einen möglichst sachgerechten Umgang mit dem Produkt sicherzustellen. Auf vielen der überprüften Verpackungen fehlten zudem die obligatorischen Hinweise auf Erste-Hilfe-Maßnahmen, das Verfallsdatum und die korrekte Entsorgung des abgelaufenen Produktes.

„Wir haben insgesamt 94 Biozid-Produkte untersucht, und bei gerade einmal acht Produkten hatten wir nichts zu bemängeln. Das ist eine Quote, die wir so nicht hinnehmen werden“, so Verbraucherschutzminister Eckhard Uhlenberg. „Bei falscher Anwendung sind diese Produkte eine Gefahr für Mensch und Umwelt, deswegen ist eine korrekte Kennzeichnung unerlässlich. Wir werden daher auf verschiedenen Ebenen auf die Hersteller einwirken.“

Da das Verbraucherschutzministerium im Falle von Chemikalien nicht direkt die Hersteller, sondern nur den Handel kontrolliert, wurden die zuständigen Arbeitsschutzbehörden in NRW bzw. den Bundesländern, in denen die Hersteller falsch gekennzeichneter Produkte ihren Sitz haben, informiert. Sie haben entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Parallel hat das Verbraucherschutzministerium den Verband der chemischen Industrie, den Bundesverband der Deutschen Industrie und den Einzelhandelsverband für Mitte Februar zu einem Gespräch nach Düsseldorf eingeladen, um noch einmal nachdrücklich auf das Problem hinzuweisen und die Ergebnisse der Untersuchung im Detail vorzustellen. Weitere Gespräche mit dem Handel sollen auch hier für mehr Sensibilität sorgen. „Der Handel kann sehr einfach etwas für die Sicherheit der Verbraucherinnen und Verbraucher tun, indem er bei seinen Lieferanten auf die korrekte Kennzeichnung besteht“, so Uhlenberg.

Nordrhein-Westfalen setzt sich zudem dafür ein, dass bundesweit einheitlich gegen verharmlosende Bezeichnungen auf den Verpackungen und in der Werbung vorgegangen wird. So fanden die Kontrolleure bei mehr als einem Viertel der untersuchten Produkte Bezeichnungen wie „umweltfreundlich“, „ungiftig“ oder „nur aus pflanzlich basierenden Inhaltsstoffen“. Gleichzeitig fehlte regelmäßig der in der Werbung für Biozide vorgeschriebene Hinweis, dass vor der Anwendung unbedingt Kennzeichnung und Produktinformation zu lesen sind. „Hersteller, die die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Giftigkeit eines Biozidprodukts zu täuschen versuchen, machen sich strafbar oder müssen zumindest mit einem Bußgeld rechnen. Wir werden daher im Laufe des Jahres in einer weiteren Schwerpunktaktion noch einmal das Thema aufgreifen und diese Produkte intensiv untersuchen“, verspricht Uhlenberg.

In der Schwerpunktaktion wurden neun Holzschutzmittel, acht fungizide Zusätze für Wandfarben bzw. Farben mit integriertem Zusatz, 29 Antischimmelmittel, 33 Insektensprays, 14 Stalldesinfektions- bzw. Heimtiersprays und eine Sorte Müllbeutel mit antimikrobieller Wirkung untersucht.

Verbrauchernews.de
12.02.2006

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